Rezension “Das Heim”

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Dieses Buch habe ich vom Fischer Verlag als Rezensionsexemplar bekommen. Vielen Dank dafür!

Allgemeines

Titel: Das Heim

Originaltitel: Hemmet

Autor: Mats Strandberg

Erscheinungsdatum: 24.10.2018

Verlag: Fischer TOR

Format: broschiertes Taschenbuch

Preis: 14,99 Euro

Seitenzahl: 448

ISBN: 978-3-596-70367-8

Link zum Verlag: Das Heim

Klappentext:

Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren fährt Joel wieder in seine Heimatstadt, um seine demenzkranke Mutter zu pflegen. Nach ihrem Infarkt bringt Joel sie schweren Herzens im Seniorenheim unter. Schon bald verschlechtert sich Monikas Zustand dramatisch: Sie magert ab. Wird ausfallend. Und spricht dunkle Geheimnisse aus, von denen sie eigentlich nichts ahnen kann. Joel erkennt seine Mutter kaum noch wieder – und in ihm wächst die Gewissheit, dass etwas Böses sich den Weg in unsere Welt bahnt.

 

Inhalt

Joel Edlund kehrt in seine Heimat zurück und muss sich um seine demenzkranke Mutter kümmern. Die einfachste Lösung: Das Nebelfenn, ein Heim für ebensolche Menschen. Allerdings war das nicht alles. Monika – seine Mutter – verändert schnell ihre Persönlichkeit. Es passieren seltsame Dinge und gleichzeitig wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. Er trifft auf seine alte Freundin Nina, welche mittlerweile als Pflegerin im Nebelfenn arbeitet und all die Geschehnisse hautnah miterlebt.

 

Meine Meinung

Für mich war es einer meiner ersten Thriller. Mein zweiter um genau zu sein. Mein Vater hat bereits “DIe Überfahrt” von diesem Autor gelesen und da ich was Neuerscheinungen angeht immer auf dem neusten Stand bin, wusste ich frühzeitig, dass nun sein zweiter Roman erscheint. Diesmal hat mich der Inhalt sofort fasziniert, vor allem aber das genial gestaltete Cover. Die Augen sind glänzend, während der Rest des Covers matt ist. Das Licht spiegelt sich und man fühlt sich von schwarzen Augen beobachtet. Auf der Buchmesse habe ich diese Augen bei einer Distanz von fünf Metern gesehen und war sofort total begeistert.

Nun mal zum Schreibstil. Er ist sehr besonders. Die Sätze oft kurz, manchmal fehlt ein Subjekt, welches in einem Satz davor zu finden ist. Aber man kann es so schnell lesen. Gleichzeitig ist das ganze Buch spannend. Von der ersten Seite an ist man in der Geschichte drin und obwohl nicht immer viel passiert, es ist dauerhaft spannend, denn man möchte unbedingt wissen, was die Lösung für all das ist. Ich war wirklich gefesselt. Manche könnte das nicht allzu hohe Tempo stören. Mich hat es das nicht, aber ich könnte mir den Kritikpunkt bei anderen durchaus vorstellen.

Eben weil man so viele offene Fragen hat, sowohl was Monika angeht, als auch die Vergangenheit von Nina und Joal, will man ständig weiterlesen. Die kurzen Kapitel von manchmal nur einer Seite und höchstens 8 machen das noch viel einfacher. Des Weiteren wird aus diversen Perspektiven geschrieben. Hauptsächlich Nina und Joel, zwischendurch aus der Sicht des Heims, wo über alles, was dort geschieht, berichtet wird. Als Leser bekommt man so Einblicke in alle Geschehnisse, was nicht bedeutet, dass man sonderlich viel mehr weiß und versteht. Manchmal findet man Zusammenhänge, die den Charakteren noch nicht klar sind, aber mich hat das nicht weiter gebracht.

Wichtig ist eine unterschwellige Message, die bei mir angekommen ist, nämlich die Krankheit Demenz, sowie die Arbeit als Altenpfleger. Ich persönlich habe schon Erfahrungen mit dieser Krankheit gemacht, sodass ich weiß wie schlimm das sein kann, aber die Beschreibungen in diesem Buch sind teilweise erschreckend. Ebenso die Arbeit als Pfleger. Einem ist oft nicht bewusst, wie anstrengend das sein muss. Außerdem auch, wie wichtig es ist, diese Menschen nicht allein zu lassen. Wie oft werden demenzkranke in ein Heim gegeben und Angehörige zeigen sich nie wieder? Öfter als man denkt. Es ist anstrengend, aber man sollte alte Menschen trotzdem nicht allein lassen. Die Demenz bildet in “Das Heim” eine wichtige Rolle, denn als Leser versucht man immer alle Geschehnisse auf Halluzinationen der Alten zu schieben, sich alles logisch zu erklären. Und bis zu einem gewissen Punkt weiß man gar nicht, ob es wirklich nur daran liegt oder eben nicht.

Ab der Mitte gibt es dann einen Punkt, wo man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ab da weiß man zumindest ein Stück weit, was genau hinter all dem steckt und ein wenig mehr Action kommt hinzu. Insgesamt ist es aber eher ein atmospärisches Buch, gefüllt mit zwei wirklich gebrochenen Protagonisten. Die Vergangenheiten der beiden sind realistisch und mir hat es gefallen, wie erwachsen die beiden einfach waren. Bisher kenne ich als “dunkle Vergangenheit” nur das, was in New Adult Büchern kam, hier war das ein völlig anderes Niveau und ich war sehr zufrieden.

Ein kleiner Kritikpunkt ist das Ende. Aber irgenwie auch nicht. Für ein Ende war es nicht besonders spektakulär. Trotzdem hätte ich es mir nicht anders gewünscht. Es hat genau so gepasst, es war richtig so. Okay, auf der letzten Seite habe ich wirklich gedacht “bitte nicht”, denn so richtig happy war das Ende nicht, aber es war einfach gut gewählt, es musste so sein. Man ist bei dem Ende eines Buches meist gewöhnt ein actionreiches und spektakuläres Finale präsentiert zu bekommen, hier war es eben nicht so. Ein klein wenig war es vorhersehbar. Nicht in diesem Ausmaß, aber ich hatte dieses Ende durchaus als Vermutung, war mir nur nicht sicher.

 

Kurze Übersicht

+ von der ersten bis zur letzten Seite spannend

+ kurze Kapitel, mehrere Perspektiven

+ vielschichte Protagonisten

+ aufklärerischer Touch über Demenz und Altenpflege

+ einzigartiger Schreibstil

+atmosphärischer Grusel

– das Ende war nicht so spektatkulär wie man es von einem Ende gewohnt ist

– das Tempo hätte etwas höher sein können

 

Fazit

Ich bin von dem Buch trotz allem sehr überzeugt und für einen Thriller-Anfänger ist es sehr gut. Es verdient 4/5 Sterne. Auf jeden Fall werde ich weitere Thriller lesen und auch sein anderes Buch. Ich empfehle es gerne weiter!

 

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