Alles andere zu Büchern

Fitzek-Manie – Meine ersten beiden Fitzeks

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Normalerweise kennt man mich aus den Bereichen Fantasy und Liebesroman. Thriller und Krimis sind eine Seltenheit, bis vor Kurzem hatte ich tatsächlich nur drei Bücher aus diesen Genres gelesen. Dann habe ich in einer kleinen Buchhandlung “Der Insasse” als Limited Edition gesehen. Eine Seltenheit, immerhin ist das Buch über ein Jahr alt und Herr Fitzek so beliebt, dass diese erste Auflage kein Jahr lang hält. Ich bin also schwach geworden, habe mir das für läppische 23 Euro gekauft und konnte dann nicht die Finger davon lassen. Mit diesem zusammen standen dann sechs ungelesene Bücher von dem Autor bei mir zuhause.

Es wurde also dringend Zeit endlich mal einen zu lesen. Entgegen aller Empfehlungen mit “Die Therapie” zu beginnen, habe ich mit seinem neusten Werk angefangen und es innerhalb von wenigen Tagen verschlungen. Darauf folgte dann ein zweites und aktuell ein drittes Buch von ihm. Ich kann nun offiziell gestehen: Ich bin seinen Büchern verfallen. Psychothriller sind wohl genau mein Ding und Sebastian Fitzek trifft einen Nerv, der mich Bücher so schnell lesen lässt wie eigentlich nie. Jeder weiß, dass ich weder ein ausdauernder noch ein schneller Leser bin. Aber hier kann ich gut und gerne ein Buch an einem Tag lesen. Nun möchte ich zwei Bücher ein wenig vergleichen, denn ich weiß, dass die, die mir folgen auch eher weniger Thriller lesen. Man folgt ja den Personen, die einen ähnlichen Lesegeschmack haben.

Mit diesem Post hoffe ich den einen oder anderen auf die Bücher neugierig machen zu können. Vielleicht mal eins auszuprobieren. Vor allem aber sind mir einige Dinge aufgefallen, welche “Die Therapie”, sein Debüt aus dem Jahr 2006 und “Der Insasse” aus dem Jahr 2018 unterscheidet. “Das Geschenk” lese ich aktuell und die bisherigen Erfahrungen werde ich mit einbinden, jedoch geht es hauptsächlich um die anderen beiden.

Beginnen wir erstmal mit den Inhalten. In “Die Therapie” geht es um Viktor Larenz, welcher ein renommierter Psychologe war, aber seit langer Zeit schon nicht mehr praktiziert. Seine Tochter ist vor mehreren Jahren verschwunden und wurde nie gefunden. Für ein Interview mit einer Zeitung fährt er in ein Ferienhaus auf eine Insel, wo ihn eine eine Frau aufsucht und um Therapiestunden bittet. Recht schnell erkennt er, dass das Verschwinden seiner Tochter womöglich etwas mit dieser Frau und ihrem Problem zu tun haben könnte.

In “Der Insasse” geht es um Till, dessen Sohn entführt worden ist. Der Kindermörder Guido Tramitz weiß, wo er ist, doch dieser sitzt im Hochsicherheitstrakt einer Psychatrie. Till lässt sich selbst einweisen, um an diesen Mann heranzukommen und herausfinden zu können, wo sein Sohn ist.

Der erste, entscheidende Unterschied der beiden Bücher, ist die Gewalt und Brutalität. Während in der Therapie eigentlich eher der psychische Horror vorkommt, Grusel und Schrecken ist physische Gewalt kaum vorhanden. Der Insasse ist da deutlich anders. Auch dort gibt es den psychischen Horror, aber es wird auch mehrmals wirklich brutal. Das merke ich auch schon am neusten Buch von Herrn Fitzek. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber ich kann Gewalt überhaupt nicht leiden. Weder sehen, hören noch lesen. Das war auch der Grund, warum ich den Insassen mit 4,5 Sternen bewertet habe, es war mir schlichtweg zu brutal. Meiner Meinung bräuchte es nicht zwingend so viel Gewalt, auch so ist es oft schon gruselig genug.

Dann sind wir jetzt schon beim nächsten Punkt. Der Horror, schockierende Wendungen, der Sog. Beide Bücher haben mich nicht losgelassen, da fast jedes Kapitel mit einem kleinen Cliffhanger endete. Jedes Mal dachte ich mir im Stillen “Das ist doch unmöglich. Das kann doch gar nicht sein.” Doch, kann es. Man glaubt nicht, dass es noch gesteigert werden kann und dann kommt doch wieder eine vollkommen unmögliche Wendung, bei der man sich denkt, dass das niemals vernünftig gelöst werden kann. Letztendlich weiß man bis zur letzten Seite nicht, wie das Buch enden wird. Gepaart ist das mit einem sehr flüssigen Schreibstil. Ich würde ihn nicht als malerisch oder lyrisch beschreiben, aber man wird mit Leichtigkeit durch die Geschichte getragen. Wäre es kein Psychothriller würde ich sagen, man kann die Bücher locker weglesen, weil es so gut geschrieben ist. Falls Herr Fitzek also ein neues Genre sucht: Liebesromane würden sich anbieten, denn bei keinem anderen Genre komme ich sonst so gut durch.

Was sich wohl auch mit der Zeit herausgebildet hat, sind die Perspektivwechsel. Während “Die Therapie” fast ausschließlich aus einer Perspektive geschrieben wurde, wird in “Das Geschenk” und “Der Insasse” gesprungen. Trotzdem hat man eine Hauptfigur, aber man erfährt zugleich mehr und bekommt mehr Rätsel hingeworfen, mit denen man nichts anfangen kann. Sprünge in der Zeit kommen dafür gerne vor, was interessant ist, da man mit der Gegenwart beginnt, somit also weiß, wohin die Geschichte führen wird, das hilft einem bei des Rätsels Lösung aber nicht weiter. Das Konzept gefällt mir aber super gut. Am Ende wird nämlich in der Gegenwart die Geschichte zu Ende gebracht, das wirkliche Ende kennt man also trotzdem noch nicht.

Kommen wir zu guter Letzt zur Vorhersehbarkeit. Meiner Meinung nach ist diese grundsätzlich nicht gegeben. Beim Insassen habe ich den Vergleich mit einem Film gesehen, weshalb ich dadurch des Rätsels Lösung praktisch wusste und die Hinweise darauf sehr früh erkannt habe. Bei der Therapie habe ich einen kleinen Teil früh erkannt, konnte diesen aber nicht richtig einordnen. Wie ein Puzzleteil, das man an jeder freien Stelle versucht einzusetzen, aber doch erst gegen Ende die passende Stelle findet. Auch bei meiner aktuellen Lektüre habe ich keine Ahnung, wohin es gehen wird.

Beide Bücher haben mir extrem gut gefallen und vor allem für Leute, die den Autor ausprobieren wollen, ist “Die Therapie” gut geeignet. Sie ist nicht sonderlich brutal, super spannend, unvorhersehbar und ich war stellenweise selbst verzweifelt und habe mit dem Protagonisten gelitten. Und das, obwohl man eher weniger eine Bindung zu den Charakteren aufbaut. Ich werde mir definitiv noch all die anderen Bücher besorgen und diese lesen. Und auch in dem Genre Psychothriller werde ich mich ein wenig mehr umschauen.

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