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Dark Romance – Darf ich das noch lesen?

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Im Jahr 2020 stehen Sachen wie Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung groß geschrieben und die, die schon mal ein Dark Romance Buch gelesen haben wissen vielleicht, dass diese Bücher auf einem sehr schmalen Grat zwischen “NO GO” und diesen Werten stehen. Natürlich kann man die Bücher nicht alle über einen Haufen werfen, aber ein Buch hat mich vor ein paar Wochen an dem gesamten Genre zweifeln lassen und dafür gesorgt, dass ich mich tatsächlich gefragt habe, ob ich das überhaupt lesen darf, wenn ich doch Werte wie sexuelle Selbstbestimmung vertrete. Ich habe mich ehrlich gefragt, ob etwas bei mir komplett falsch läuft. Aber fangen wir mal ganz von vorne an.

Der Anfang war “Catching Beauty – Du gehörst mir”. Ich habe das Buch gelesen und hatte vorher schon das eine oder andere Mal den Vorwurf gehört, dass Vergewaltigung hier verharmlost wird. Jeder von euch wird jetzt sagen “Wenn das stimmt, dann ist das ein furchtbares Buch!” Ich habe also fröhlich vor mich hin gelesen und während die erste Sexszene noch völlig okay war, war die zweite für mich letztendlich sexuelle Nötigung. Ja, es hat ihr irgendwie gefallen, aber nein, sie hat dem nicht zugestimmt und war nicht in der Lage sich zu wehren. Währenddessen wurden ihre Gefühle mit “Leiden und ertragen” beschrieben. Er war auch ganz stolz auf sich, dass er sie jetzt gegen ihren Willen gevögelt hat. Und auf einmal waren da ganz viele Zweifel. Vielleicht waren mir ähnliche Szenen in anderen Dark Romance Büchern, denen ich 5 Sterne gegeben habe, gar nicht aufgefallen. Solche schmalen Gratwanderungen sind häufig in dem Genre zu finden und trotzdem stieß es mir nur bei diesem Buch sehr unangenehm auf. Ich habe angefangen mich zu fragen, ob man sowas überhaupt lesen sollte, ob das nicht vollkommen falsch wäre.

Was habe ich also getan? Meine Follower gefragt, wie die das sehen und ich habe sehr unterschiedliches gehört und möchte nun ein bisschen zusammentragen, was dabei herausgekommen ist und wie ich weitergemacht habe.

Die meisten waren sich einig: Wir lesen zur Unterhaltung. Auch wenn uns das Buch den Atem stocken und uns das Gesicht verziehen oder wir eine Gänsehaut bekommen, wir werden unterhalten. Das ist der Hauptzweck von Büchern, wenn sie nicht gerade ausdrücklich informieren sollen. Thriller und Krimis, in denen das Blut spritzt und neue Foltermethoden erfunden werden, unterhalten schließlich auch und ein Mord ist nun auch kein Kinderspiel. Das, was wir lesen ist Fiktion, auch wenn manche Dinge wahrscheinlich wirklich passieren und das auf jeden Fall schlimm ist. Doch wenn wir alles nur noch kritisch betrachten, dann machen wir uns schnell gute Bücher kaputt. Was dürfte man dann überhaupt noch lesen?

Das bedeutet allerdings nicht, dass man blind alles hinnehmen sollte. Reflektion ist wichtig. Sich klar zu machen, was man da gerade liest und wie man das für sich selbst bewertet. Finde ich das schlimm? Okay, dann lasse ich das in meine Bewertung einfließen. Am Ende ist es reine Interpretation. Dadurch konnte ich für mich festhalten, dass mir Catching Beauty nicht gefallen hat und mir die Szene zu weit ging, während mir andere Bücher gut gefielen. Das fängt schon damit an, wie ein Charakter beschrieben wird. Gleichzeitig kommt es auch darauf an, wie die Figuren reagieren. Stellen sie fest, dass etwas falsch war? Hier war das beste Beispiel, er hat offen zugegeben, dass er gegen ihren Willen mit ihr schlafen würde und hat das durchgezogen. Ihr hat es gefallen, irgendwie. Für sie war es keine Vergewaltigung, obwohl sie nicht zugestimmt hat, aber auch nicht abgelehnt oder sich gewehrt. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Die meisten Charaktere haben diese Neigungen zu hartem Sex, der von Dominanz geprägt ist. Manche finden es erst heraus, manche wissen das schon von Anfang an. Das erklärt, warum es den meisten dann auch gefällt, sie selbst aber erst lernen, das zu akzeptieren. Häufig probieren sie sich das erste Mal aus und Schmerz ist ein großer Teil von BDSM. Natürlich kann es passieren, dass sie sich unwohl fühlen, aber sie testen ihre Grenzen und je nachdem wie auf diese reagiert wird, kann man eine Szene für sich als gut oder schlecht bewerten.

Letzten Endes ist es Geschmackssache. Wenn einem eine Szene zu weit geht und man sie als falsch und grenzwertig empfindet, dann ist das so, dann sagt man das in seiner Bewertung und gut ist. Das hat dann aber nichts mit dem Genre zu tun, sondern mit dem Buch. Genauso wie einem nicht jeder blutige Thriller gefällt. Wichtig wäre es, in seinen Rezensionen darauf hinzuweisen, was in den Büchern vorkommt. Nicht alle Menschen wollen das lesen und wenn sie gewarnt werden, dann können sie die Finger getrost davon lassen.

Ich habe von Catching Beauty Abstand genommen und lese gerade erst wieder weiter. Parallel lese ich ein anderes Dark Romance Buch und ich merke deutlich die Unterschiede. Mir gefällt das Genre weiterhin. Ich versuche nicht allzu stark auf grenzwertige Szenen zu achten, aber wenn sie mir auffallen, dann behalte ich das im Hinterkopf und bringe das als Kritik an. Eine Szene kommt bei jedem Leser anders rüber, für den einen ist das völlig okay, für den anderen ein absolutes No Go. Ich bin jedenfalls froh, dass meine lieben Follower mich aus der kurzen Krise gerettet haben und ich jetzt fröhlich weiter die dunkelsten Abgründe mancher Menschen erkunde.

Am Ende noch ein paar Dark Romance Highlights für euch:

Die Tears of Tess Bücher von Pepper Winters sind meine absolut liebsten Bücher im Dark Romance Bereich. Zu beiden gibt es auch Rezensionen. Ein Geheimtipp ist “Broken Blackness” von Yuna Drake. Da lese ich gerade den zweiten Band. Und für etwas softere Dark Romance gibt es die Mafia-Dilogie von Vanessa Sangue namens “Cold Princess” und “Fire Queen”. Ebenfalls auf meinem Blog rezensiert.

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